Fahrräder

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Warum haben die Workshops zum Aufbau eines Fahrrad-Netzwerkes aufgehört? (24.09.2014)

Die Fahrrad-Netzwerk Aufbauwerkstatt (FNA) haben ihre wöchentlichen Workshops in Bike Kitchen North East seit einiger Zeit eingestellt – nach vier Monaten praktischen skill-sharings (des kollektive Teilens von Fähigkeiten). Die Gruppenarbeit konzentrierte sich auf den Aufbau eines Fahrradnetzwerkes in Berlin. Das Netzwerk würde aus kollektiven Fahrrädern bestehen, die von selbstorganisierenden Asyl- und unterstützenden Aktivist_innen verwaltet würden – im Rahmen der No Border Camp Berlin Reloaded Programme.

Bike Kitchen North-East ist eine kollektive Non-Profit-Fahrradwerkstatt im Haus-Projekt KuBiz in Berlin Weissensee. Bike Kitchen North-East war normalerweise einmal die Woche geöffnet, so dass die Infrastruktur-Gruppe ansprechbar war und Unterstützung und Tipps geben konnte. Außerdem haben zwei weitere spezifische Fahrrad-Projekte die Werkstatt mitbenutzt: FNA, was oben beschrieben wurde (Samstags) und einer Inititiative die sich BikeAid nennt (manchmal Sonntags). Abgesehen von den wöchentlichen Samstagsworkshops, haben alle FNA Aktivist_innen auch gelegentlich in einem oder beiden der zwei anderen Programmen mitgewirkt, die in der gleichen Werkstatt stattfinden. Ein Aktivist von FNA war auch ein Gründungsmitglied der Bike Kitchen North East.

FNA, als eine Gruppe die aus Menschen mit unterschiedlichen rechtlichen Status in Deutschland besteht, fanden wir es unmöglich unsere Arbeit im sozial unverantwortlichen Umfeld der Bike Kitchen North-East fortsetzen. Warum? Die Bike Kitchen ist nicht bereit mit Gewalt in einem „selbstorganisierten und autonomen“ linken Projekt umzugehen, welches von sich behauptet gegen Diskriminierungen vorzugehen. Wir, FNA, finden es völlig inakzeptabel, dass die strategische Partnerschaft zwischen der Werkstatt Bike Kitchen North East und der diskriminierenden Gruppen (wie BikeAid) gebildet werden soll, geschweige denn der Tatsache, dass sie toleriert werden! Bike Kitchen North East respektiert ihre eigenen Verhaltensgrundsätze für die Werkstatt nicht. Grundprinzipien des gesunden Menschenverstandes, die eine Pflicht unterstreichen, Diskriminierungen zu konfrontieren sind nicht nur in einen „Vertrag autonomer Vereinbarungen“ zwischen Bike Kitchen North-East und dem Hausprojekt KuBiZ unterschrieben worden, sondern auch in Print und Online veröffentlicht. Dementsprechend war die Bike Kitchen Infrastruktur (leider nur theoretisch) immer für alle radikal offen: unabhängig von sozio-rechtlichen Konstruktionen wie „Rasse“, Gender oder Status. (“Hilfe zur Selbsthilfe soll aber eine Möglichkeit bieten zu lernen und allesrund um Fahrradmechanik selber zu machen – für alle unabhängig von Gender-, „Rassen-,“ Status- oder Klassen-Konstruktionen. Keine Art Diskriminierung wird toleriert.“ http://bikekitchennortheast.wordpress.com/programmen/).

Am 1. Juni 2014 wurde ein FNA Aktivist, während eines BikeAid Workshops, an dem er regelmäßig teilnahm, von einem BikeAid Mitglied wie folgt angeschrien: „Mund halten, wir sind hier zum Arbeiten und nicht zum Reden!“. Der schreiende Mann verstand die Arabische Sprache nicht, welches der angeschriene mit einem Freund sprach. Ein anderer FNA Aktivist, der den Vorfall beobachtete und eine Erklärung für das diskriminierende Verhalten verlangte, wurde erst von der gesamten BikeAid Gruppe ignoriert. BikeAid hat sich dann stillschweigend dafür entschieden, das Statement eines anderen Mitglieds zu unterstützen: „Ihr seid entweder für oder gegen uns“ – keine Kritik bezüglich dieses Vorfalls würde akzeptiert werden und „keine weitere Diskussion diesem Gespräch folgen“. Als der Aktivist, der das diskriminierende Verhalten kritisierte, in einem Bike Kitchen North East Plenum Wege zu finden mit der Situation umzugehen, wurde er wie folgt beschuldigt:

1. „Zu versuchen, seine persönlichen Probleme mit einer anderen Person“ als einen Grundkonflikt darzustellen – es wurde hinzugefügt, dass die zwei betroffenen Menschen sich privat treffen sollten und eine persönliche Lösung finden.

2. „Geisteskranke“ menschen zu diskriminieren (da die schreiende Person „so durcheinander ist, dass er zu niemanden nett ist. Xenophobie hat mit seinem schrecklichen Verhalten nichts zu tun“)

3. Ein cis-Mann und „deswegen sowieso ein aggressiver, kompetetiver Aktivist“ zu sein.

Der Vorschlag des FNA und Bike Kitchen North-East Aktivisten, dass problematische Verhalten von BikeAid anzusprechen wurde von Bike Kitchen abgelehnt: es würde keinen Gruppe-zu-Gruppe Ansatz verfolgt werden. Ein Alternativvorschlag war, dass Bike Kitchen sich „von dem dualistischen Verhalten von BikeAid distanzieren könnte“. In anderen Worten: Bike Kitchen North- East sollte sich gleichzeitig von dem ausschließendem Konzept und dem diskriminierenden Verhalten von BikeAid distanzieren und dieses unterstützen. Es schein fast unnötig zu erwähnen, dass Bike Kitchen mit der Situation in kompletter Ignoranz derer umgegangen ist, die angeschrien wurden und wie diese sich gefühlt haben.

Es ist lächerlich, dass es in den Bike Kitchen internen Diskussion kritische Positionen zu den grundlegenden Konzepten von BikeAid gibt, aber bei tatsächlichen Angriffen nichts getan wird! Etwa zur gleichen Zeit gab es Diskussionen über den Vorschlag eines weiteren BikeAid Mitglieds: Dieser schlug vor, extra abendliche Vorbereitungsworkshops in den Räumen von Bike Kitchen North-East zu machen, allerdings „ohne Flüchtende“. Nachdem die Protagonist_innen dieses Vorschlags kritisiert wurden, wurde dieser damit gerechtfertigt „den Armen zu helfen“. Um die rassistische Ausschlüsse zu vervollständigen, wurde ein weiterer FNA Aktivist von BikeAid gesagt wurde, dass die „regulären Öffnungszeiten“ von Bike Kitchen North-East nur für „normale Menschen“ offen sind. Es hat der Person einige Bemühungen gekostet BikeAid davon zu überzeugen, dass die Person regelmäßig in der Werkstatt arbeitet und regen Kontakt zu den Organisator_innen hält.

Ausdrücke, wie die von BikeAid Mitgliedern gemachten, zeigen, dass für sie ‚weiß‘ und „Deutsch“ „normal“ bedeuten und somit Ausschlüsse durch die Gruppe gerechtfertigt sind. In Anbetracht der Tatsache, dass BikeAid finanzielle und strukturelle Unterstützung durch so genannte Flüchtlingspflegeorganisationen erhält, ist es wieder einmal offensichtlich, wie „Unterstützungsgruppen“ Flüchtende für Geldwäsche und politische Profilierung missbrauchen.

Als ehemaliges Mitglied der Bike Kitchen North-East, muss einer unserer Aktivisten den Widerwillen benennen, mit dem die übrigen Bike Kitchen Mitglieder den unterschiedlichen strukturellen Bedürfnisse und Hürden von nicht-“Deutschen“ und nicht-‚weißen‘ begegnet sind. Auch wenn ein Verstehen auf gewissen Ebenen erreicht wurde, wurden die Versuche ein Sicherheits-Konzept für das Werkstatt-Gebäude zu erarbeiten ins lächerliche gezogen, obwohl das Gebäude von Nazis beobachtet wird, Probleme mit rassistischen Nachbar_innen hat und vor einiger Zeit in Brand gesetzt wurde. Darüber hinaus hat die Bike Kitchen Gruppe versucht finanziell sowohl von „der Arbeit mit Flüchtenden“, als auch von der Zusammenarbeit mit BikeAid finanziell profitieren (Finanzanträge und Spendengesuche im Namen von BikeAid wurden entweder vorgeschlagen oder gar entworfen ohne vorheriger Diskussion mit Bike Kitchen Mitgliedern).

NIEDER MIT DEM EUROZENTRISMUS IN BEREICH FAHRRÄDER! Eine wirklich offene und soziale Fahrradwerkstatt in Berlin bleibt ein Slogan.

Wenn Sie haben Ideen wie und wo könnte solche Initiative erneuert funktionieren, bitte kontaktieren uns.